(Foto: eigenes Archiv)

Wechseljahre - Wandlungsjahre

 "Das Glück muss man nicht suchen, es findet einen allein."
Anonymus

 

”Haben Sie ein Mittel gegen stumpfe, glanzlose Haare, die alle 2 Tage fettig am Kopf herunter hängen?” fragte ich genervt die ahnungslose junge Fachkraft in einem teurem Frisörladen. “Meinen Sie eine Haarkur?”, fragte sie und schaute mich mit ihren frisch gelegten, glänzenden Haaren mitfühlend an. “Ja”, antwortete ich und überlegte einen Moment, "und zwar für mein grauenvolles Haar, was bis dato glänzend und füllig auf meinem Kopfe stand. Alle Produkte, die Sie haben. Jetzt und gleich und sofort. Shampoo, Haarkur und alles, was ich sonst noch gebrauchen könnte. Das komplette Programm.“

Die junge Frau hinter der Verkaufstheke wurde hektisch und sah, zumindest für heute, IHREN Verkaufstag gekommen. Zwanzig Minuten später ging ich aus dem Laden mit einer dicken weißen Plastiktüte und 150 Euro weniger im Portemonnaie. Mir war schlecht. So viel Geld für die Pflege meiner Haare auszugeben, ich musste komplett durchgeknallt sein. Von diesem Geld lebt eine Familie mit 2 Kindern eine Woche lang. Und ich würde es auf meinen Kopf schmieren. Aber was sollte ich machen. Ich sah seit Wochen aus, als ob ich mir die Haare mit Shampoo vom Discounter wusch und färbte, und zwar alles ohne Haarkur. Dabei hatte ich noch das Kompliment einer Frisöse im Ohr, die mir vor einem Jahr beim Kämmen meiner nassen Haare mir offenbarte, dass sie so gut wie nie so gepflegte gefärbte Haare gesehen hätte. Wie stolz war ich damals und wie frustriert war ich jetzt: ich sah aus wie ein koloriertes Borstenschwein, egal, was ich mit meinen Haaren tat. Ich verstand die Welt nicht mehr bis zu diesem Abend...

 

Autoren schreiben, weil sie eine innere Kraft treibt.

Das Thema Wechseljahre bekam am 5. April 2013 um 5 Uhr morgens eine ungeahnte Kraft, die Erkenntnis überkam mich so stark, dass an Schlaf nicht zu denken war. Auslöser war die Geschichte einer Freundin, die vor Jahren ihre physische und psychische Achterbahn ihres Lebens beschrieb, die, nach meinen heutigen Erkenntnissen, ich als "kalten" Einstieg in die Wechseljahre betrachte. Wechseljahre umfassen nicht nur einen Zeitraum von 1 oder 2 Jahren, sondern die Post geht schon lange vorher ab. Und an diesem Morgen, nach einer nicht geschlafenen Nacht, traf es mich wie ein Donnerschlag, ich bin schon mittendrin in der Prämenopausenphase. Für mich der fast lückenlose Übergang von der Stillphase meines Sohnes in die Prämenopause. Ich war zunächst über diese Erkenntnis erschrocken, da ich überzeugt war, dass die späte Geburt meines Sohnes eine Verschiebung nach hinten mit sich brächte.

Denkste, Puppe!

Das einzig positive ist zunächst einmal, dass meine Menopause und die Pubertät meines Sohnes wenigstens nicht zum gleichen Zeitpunkt stattfinden. Das wäre hochexplosiv. Dann frage ich mich, wie sich die Zeit, Menopause- Pubertät, bei den Frauen gestaltet, die ihre Kinder zwischen 25 und 35 bekommen haben.
Dazu kommt, dass genauso die Männer in dem Alter ihren persönlichen Höllenritt durchleben, denn auch Männer kommen in die Menopause: Sie wird als Midlifecrisis bezeichnet und wird unter Männern mit einem Schulterschlag abgesegnet. Doch leider ist es damit nicht getan, den die Krise dauert an und die Meisten kommen da nicht ohne Wunden und Blessuren heraus (Scheidung, junge Geliebte, Narzissmus, Alkoholismus, Depressionen).

Jetzt geht vielleicht der einen oder anderen Frau ein Licht auf, denn meist haben sie ihre persönlichen Exemplare zu Hause sitzen. Und bekommen an manchen Tagen volle Breitseite ab. An diesen Tagen frage sie sich mitunter, was aus diesem wundervollen, aufmerksamen Mann geworden ist, den sie vor Jahren geheiratet haben. Aber wahrscheinlich geht es den Männern andersherum genauso, denn manche Frau verdrängt ihre Jahre der Wandlungen. Nur er hat es mitunter schwerer, seine Wandlungsjahre in das richtige Fahrwasser zu bringen, da man Mann sein will, darf, muss? Dabei sollte die so genannte Gesellschaft diesem Phänomen wirklich mehr Aufmerksamkeit schenken- denn Männer in der Menopause suchen sich bestenfalls junge Frauen und drehen noch einmal richtig auf, wenn auch nur für kurze Zeit. Schlimmer gestaltet sich die Menopause, wenn sie anfangen, zu trinken und/oder gewalttätig werden. Dabei muss diese Gewalt nicht immer unbedingt physisch sein (oft gegen die eigenen Kinder und/oder die eigene Frau), wichtig ist, dass sie sich Macht nehmen und sie dann auch ausführen, indem sie andere Menschen versuchen zu unterdrücken. Schlimmstenfalls verlieren sie in dieser Phase ihre Frau und damit oft ihre Familie und wenn dann noch eine negative Entwicklung im Job stattfindet, denn nun gehören sie oft schon gesellschaftlich zum alten Eisen, dann platzt die Bombe. Dann hauen sie um sich, wie immer sich das gestalten mag, tun anderen oder sich selbst weh. Doch dabei wäre es so wichtig, dass sie Vorbild wären für ihre Söhne bzw. andere männliche Jugendliche, von denen sie beobachtet werden. Geben sie diesen jungen Menschen keine Orientierung, setzt sich die Gewaltbereitschaft in ihnen fort, oft mit ernst zunehmenden Folgen für die Gesellschaft in der wir leben (vgl. dazu Jed Diamond: Feuerzeichenmänner).

Dabei kann die Menopause mit den Jahren davor, mittendrin und danach eine wirklich coole Zeit sein. Unglücklicherweise wird sie in unserer modernen Epoche anders gesehen. Ich erinnere mich noch an meine alten Frauenärztin, die mich, bevor sie in Rente ging, begutachtete und meinte, dass ich mit meinen 44 Jahren wohl noch weit von den Wechseljahren entfernt wäre, dass würde sie sehen. Dabei lächelte sie süßlich und meinte doch ernsthaft, dass Frauen dann nicht mehr so ansprechend aussehen würden. Und meinte wohl die Falten um den Mund und Augen und der zu einem Strich gewordene dünne Mund mit einem Ausdruck der Unzufriedenheit. Sie machte mir richtiggehend Angst und ich ging hinaus mit einem erleichternden Seufzer, hoffend, dass meine Wechseljahre noch in weiter Zukunft lagen.

Es dauerte genau 1 Jahr, bevor sie begannen. Sie kamen auf leisen Sohlen, ganz langsam wie die Heinzelmännchen, die erst verschwinden, wenn die Arbeit getan ist, aber ohne, dass frau merkt, dass sie da sind. Erst jetzt macht alles einen Sinn- meine zunehmende Dünnhäutigkeit, meine Schlafprobleme, meine allgemeine Schlappheit, mein ungestillte Sehnsucht nach Ruhe und Rückzug, meine Menstruation, die manchmal recht merkwürdig kommt und geht (ein Symptom, das mir komplett  bis dato fremd war, da ich meine Tage sehr regelmäßig hatte und auch nie darunter litt), Ohrenrauschen und  andere merkwürdige Geräusche in den Ohren. Das sind die chronischen körperlichen Symptome. Zunächst einmal. Sie sind mein ständiger Begleiter und ich habe mich an sie gewöhnt.

An wirklich guten Tagen liebe ich sie richtig gehend, da ich dann weiß, es liegen noch ein paar spannende Jahre vor mir, solange sie da sind. An meinen schlechten Tagen verfluche ich sie. Außerdem kamen die Heinzelmännchen mit 4 Tüten zu je einem Kilo voller dickem schwabbeligem Fett, dass sie mir über Nacht an meinen Bauch, Popo und die Oberschenkel klebten. Das ging alles so schnell, dass ich meine Gewichtszunahme zunächst gar nicht bemerkte. Erst als ich kaum noch meine Hosen zu bekam, stellte ich mich auf die Waage: 68 Kilo! Wahnsinn! Das habe ich das letzte Mal vier Monate vor meiner Entbindung gewogen. Und nun hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben, ausgenommen wie gesagt meine Schwangerschaft, Bauchfett! 

Dann sind noch die akuten Anzeichen, die kommen und gehen- ich wache nachts auf und mir juckt mein Fell, ich kratze wie besessen. Und so wie das Jucken und die feinen Juckbläschen gekommen sind, sind sie wieder weg. Oder ich habe so ein Stechen zwischen den Rippen, als ob ich eine Rippenfellentzündung bekommen würde. War es scheinbar nicht, denn seit ich meine Aufmerksamkeit meinen Wandlungsjahren widme, sind sie weg, die Schmerzen.

Irre!

Der berühmte Wink mit dem Zaunpfahl. Wer einen guten Kontakt zu seinem Körper hat, der kann einschätzen, wenn es ernst wird.

Während ich diese Zeilen schreibe, muss ich daran denken, wie sehr ich in den Jahren zwischen 25 und 35 versucht habe, gelassen und glücklich zu werden. Ich habe alte hinduistische Texte studiert, intensiv „geyogat“. Ich bin nach Indien und China gereist, habe TCM studiert und chinesisch gelernt, als es noch nicht in Mode war. Ich habe das Glück gesucht und nicht gefunden.

Dabei muss es gar nicht gesucht werden, es findet einen allein -meistens in den Wechseljahren. Man muss nur offen für die Veränderungen sein, loslassen und annehmen.