(Foto: eigenes Archiv)
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Das Ding mit dem Spin

"Das Einfache ist das am Schwersten zu Verstehende."

 Ernst Ramhofer

"Probleme kann man nie mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind."
Albert Einstein

 

Homöopathie ist Heilen nach dem Ähnlichkeitsprinzip: „Ähnliches soll durch Ähnliches geheilt werden“ - similia similibus curentur. Sein Begründer, der deutsche Arzt Samuel Hahnemann (1755 bis 1843) erkannte mittels Eigenversuche, dass wohl dosierte Krankheitsreize die unvollständig arbeitenden Selbstheilungskräfte des Kranken anregen können. Die sogenannte Arzneimittellehre stützt sich dabei auf eine Sammlung von Beschreibungen ihres Begründers, der in vielen Selbstversuchen die Bilder von Krankheiten genau beobachtete und beschrieb: Hat also eine Substanz einen Gesunden krank gemacht, kann sie im Umkehrschluss auch einen Kranken wieder gesund machen. So weit, so gut zu den Selbstversuchen von Herrn Hahnemann.

Ein einfaches Beispiel, das das Prinzip veranschaulichen soll: Ich hatte mir einen Fensterputzer nach Hause bestellt. Er kam pünktlich und begann sofort mit seiner Arbeit. Ich war im Keller, als ich einen lauten Aufschrei hörte, und eilte die Treppe nach oben in die Küche, an den Ort, an den ich den Mann vermutete. Er kam mir mit schmerzverzerrten Gesicht entgegen und hielt mit der rechten Hand den linken Arm. „Ich habe in ein Wespennest gegriffen“, rief er verstört. Ich sah auf seine linke Hand, die schon rot wurde und anschwoll. „Setzen Sie sich“, erklärte ich bestimmt und lief zu meinem Apothekerschrank. Er bekam von mir Apis C30 sofort als einmalige Gabe. Während sich die Globuli unter seiner Zunge auflösten, nahm ich ein Glas Wasser und träufelte einige Tropfen Rescue hinein und sagte ihm, er solle das Wasser in kleinen Schlucken trinken. Kurze Zeit später war der Schmerz besser, der Schock verschwunden (aufgrund der Rescue Tropfen) und die Schwellung nicht weiter fortgeschritten. Der Fensterputzer ging, nachdem er seine Arbeit beendet hatte, mit einer gesunden Hand, doch mit einer Miene aus Verstörung und Ungläubigkeit, nach Hause.

Noch ein anderes Beispiel aus dem Alltag: Da hat man sich erkältet, die Nase läuft und läuft, die Augen tränen und auf die Nasenränder schmiert manch einer dick die Creme drauf, da diese rot und wund sind. Es ist die Küchenzwiebel, Allium cepa so ihr lateinischer Name, die an dieser Stelle das (Schnupfen-)Mittel der Wahl ist. Das klingt zunächst sehr einfach, ist es aber nicht. Es gibt Arzneien, die so ein breites Wirkspektrum haben, dass manche von ihnen oft mehr als 2000 Symptome umfassen, von den organischen angefangen über bestimmten Gemütsverfassungen bis hin zum Verstand.

Grundsätzlich kann man sagen, dass die Ausgangsstoffe der verschiedenen Arzneien von Pflanzen (z.B. Urtica) und Tieren (z.B. Apis), Mineralien (z.B. Mercurius) und Metallen (z.B. Aurum metallicum) stammen. An dieser Stelle verweise ich vollständiger halber noch auf die Nosoden, deren Ausgangsstoff krankes Gewebe oder Sekret ist. Diese Art der Therapie ist weniger bekannt, doch vor allem bei chronisch verlaufenden Krankheiten findet sie ihre wirkungsvolle Anwendung. Der Unterschied zur Homöopathie besteht darin, dass sie dem Gleichheitsprinzip folgt, was nichts anderes bedeutet, als dass die Mittel die Information der eigentlichen Krankheit enthalten durch eben die Entnahme von Gewebe, Körperflüssigkeiten etc. Doch was passiert danach mit den Proben? Diese werden, nun schlagen wir den Bogen zurück zur klassischen Homöopathie, mit Alkohol und Milchzucker potenziert und damit dynamisiert.

Dynamisiert, potenziert, was ist das? Ich werde versuchen, es zu erläutern:

 

Bei der Herstellung eines homöopathischen Arzneimittels wird ein Tropfen der Urtinktur der jeweiligen Substanz, bleiben wir bei der Küchenzwiebel, mit neun Tropfen Alkohol gemischt. Das Ganze wird geschüttelt und die Potenzierung D1 ist fertig. Von dieser Mischung wird wieder ein Tropfen entnommen, der wiederum mit neun Tropfen Alkohol verdünnt und dann mit zehn sogenannten Schüttelschlägen potenziert wird- die Potenzierung D2 ist entstanden. Und davon nimmt man wieder einen Tropfen, der wiederum mit neun Tropfen Alkohol verdünnt wird und so weiter und so fort. Es wird also wild geschüttelt und geschlagen, obgleich meist diese Arbeit heute Maschinen übernehmen. Dennoch, es gibt sie noch die Apotheker, die homöopathische Substanzen in ihrer Apotheke manuell herstellen.

Wahrscheinlich schütteln nun auch die Letzten den Kopf und schlagen mit genau diesem mehrmals auf die Tischkante vor lauter Zweifel: Das soll wirklich helfen? Ja, tut es. Und das schon über zweihundert Jahre. Es hat mit dem Aufbau der Menschen aus Atomen (z.B. Wasseratomen) zu tun. Oder für diejenigen, die es noch etwas komplizierter haben wollen, hier wirken nach meinem Verständnis die Gesetze der Quantenphysik. Alle Unklarheiten beseitigt? Dem möchte ich gern noch einen drauf setzen: Seit einigen Jahren wird eine Erklärung gesucht, warum Homöopathie wirkt. Meist wird in den wissenschaftlichen Artikeln davon ausgegangen, dass die Anhänger einen Placeboeffekt hinterher jagen. So weit, so gut. Doch was ist mit den kleinen Kindern, Hunden, Pferden und Katzen? Nun ja, die Frage bleibt im Raum stehen und deshalb gibt es meines Erachtens eine weitere interessante und beachtenswerte Theorie:

Der umstrittene Psychologe Professor Harald Walach von der Europa Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder spricht bei der Wirkung von homöopathischen Mitteln von Quantenteleportation, auch als schwache Quantentheorie bezeichnet. Was heißt das genau? In der Welt der Physik geht man davon aus, dass Photone oder Atome miteinander verschränkt sein könnten. Erste Versuche eines Forscherteams der Universität von Maryland haben sogar ganze Atome über eine Distanz von etwa einem Meter verschränkt (vgl. dazu den Artikel: „Quantum Teleportation Between Distant Matter Qubits“, Science, 23.01.2009, Vol 232, 486-489).
Doch es kommt noch toller: Verändert man nun den Spin (den magnetischen Drehmoment) eines Photons A, dann verändert sich auch der Spin des verschränkten Geschwister Photons B als ob ein unsichtbarer Bindfaden die beiden verbindet. Was heißt das für unseren Alltag? Wenn wir uns vorstellen können, dass die Verschränkung nicht nur künstlich ‘hergestellt’ werden kann, sondern auch im realen Leben existiert, dann kann man davon ausgehen, dass alles mit allem miteinander verbunden ist. Natürlich unter bestimmten Voraussetzungen.

Sicher ist meine dargestellte Ansicht nur reine Theorie. So ist es immer, wenn eine Sache erklärt werden soll. Immerhin basiert diese Theorie auf Experimenten, die nachwiesen, dass Quantenzustände von einem Teilchen auf ein anderes übertragen werden können. Mehr Informationen kann man auch in dem Heise Artikel: „Außerhalb der Raumzeit“ oder im Original „Testing the speed of >spooky action at a distance<“ (Nature 454, 861-864) nachlesen.

Nun wieder zurück zu Professor Walach und seinem Erklärungsmodell über die Wirkungsweise der Homöopathie: Ihm zufolge könnte Homöopathie ein doppelt verschränktes System darstellen: Zum einen sollen so irgendwie Informationen von einem Wirkstoff auf eine Lösung übergehen und dort bleiben - selbst wenn diese so stark verdünnt wurde, dass kein Wirkstoff mehr darin enthalten ist (Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 07.03.2012). Ich weiß, das war wirklich harte Kost zum Verdauen, vor allem, wenn die Physik noch nie das Lieblingsfach in der Schule war. Ganz zu schweigen von der Vorstellung, dass alles noch etwas kleiner geht und zwar klitzeklitzekleinklitzeklitzeklein. Denn gehe ich auf die anfangs gestellte Behauptung zurück, dass wir aus Atomen bestehen, die eine Größe von 0,0000000001 bis 0,0000000005 m haben, dann können wir uns das vielleicht noch vorstellen, was in der Homöopathie quantenphysikalisch passiert. Doch wenn ich bedenke, dass wir eigentlich aus Quarks bestehen, die also noch viel kleiner als Atome sind, dann wird es richtig unvorstellbar. Und deshalb höre ich an dieser Stelle auf und zitiere Richard Feymann, der den Nobelpreis für seine quantenphysikalischen Forschungen erhalten hat, um denen Mut zu machen, die bereit waren, mir bis hierhin zu folgen: „Ich kann mit Sicherheit behaupten, dass niemand die Quantenmechanik versteht“, wobei er sich selbst einschloss. Somit kann ein jeder die Quantenphysik für seine Zwecke nutzen. Anders machen es die Physiker mit ihren Theorien auch nicht. Also nutzen wir sie und haben so die Welt der Homöopathie erklärt. Denn ob das nun Quatsch ist oder nicht, dass darf ein jeder an sich selbst oder an seinen Kindern oder an seinen Pferden testen.

Ein ähnliches Erklärungsmodelle findet man auf  http://www.hvs.ch/ oder der folgende Artikel, der sich mit der Erklärung, dass Wasser ein Gedächtnis hat,  auseinander setzt: http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=319.